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The Vietnam Motorcycle Series
EINE SCHWARZWEISS-FOTOSERIE ÜBER DAS LEBEN AN DEN STRASSEN VIETNAMS

Im März/April 2014 ermöglichte ich mir eine 14-tägige Motorradfahrt von Ho-Chi-Minh-City nach Hanoi. Dabei enstand die Schwarzweiss-Fotoserie "The Vietnam Motorcyle Series" über das Leben an den Strassen Vietnams.

Die Idee dazu kam nach vielen Erzählungen, wie beeindruckend nur schon eine 2 - 3 tägige Fahrt mit den Vietnam-Motorcycle Easyrider gewesen sein soll. Da ich genug Zeit zur Verfügung hatte, entschied ich mich für eine längere Ausfahrt: 14 Tage als Beifahrer durch Vietnam. Per Email wurde die Route definiert, über Western Union eine Anzahlung geleistet und dann hiess es hoffen, dass am abgemachten Termin auch wirklich jemand erscheint

Als ich abgeholt wurde, war ich über die Grösse des Motorrads etwas erstaunt: eine Suzuki 150, die nicht wirklich nach “Easyrider” klingt, geschweige denn aussieht. Später erfuhr ich, dass dies die grösste Motorisierung ist, für die in Vietnam eine Zulassung einfach zu haben ist. Grössere Maschinen sind Leuten mit Beziehung und Geld vorenthalten. Langsam soll diese Regelung aufgehoben werden, aber wie vieles, dauert das etwas. Nur konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie das Gepäck inkl. Mitfahrer, hier Platz finden sollte. Die erstaunte Frage von Quan zu meinem Gepäck, “is this all?”, beruhigte mich dann aber. Scheinbar reisen Touristen normalerweise mit mehr Gepäck als ich. Nachdem alles angeschnallt war (der grosse Rucksack hinten als Rückenlehne, der Kleine vorne auf dem Tank), und ich eingewiesen wurde, wie aufzusteigen, war doch Platz genug und es erwies sich sogar als sehr bequem.

Mein Fahrer Quan war mir von Beginn an sehr sympathisch: ein grundehrlich und sicherheitsbewusst wirkender Vietnamese, der sich auch auf die Reise freute. Als ich ihm im Laufe des Tages vermittelte, dass ich möglichst ‘einheimische’ Restaurants besuchen möchte und zum Frühstück ausschliesslich Pho essen möchte, war wohl die Welt für ihn völlig in Ordnung. Jeden Morgen, bevor wir die nächste Etappe in Angriff nahmen, fuhren wir also zum nächsten Suppenrestaurant und stärkten uns mit einer Pho, eine klaren Brühe, meist mit Rindfleisch (Pho Bo), das manchmal sogar erst in der Suppe gart (Pho Tai). Dazu kommen Reisnudeln, Lauchringe, Koriander, Minze, Chillis, Limette und Fischsauce. Ich liebte diese Art zu Frühstücken, was meist den ganzen Tag für genug Energie sorgte. Abends fuhren wir dann, nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, in eines der vielen kleinen, von Familien geführten Restaurants. Diese spezialisieren sich meist auf eine bestimmte Speise. Die Frage war nicht, was man essen will, sondern wieviel.

Tagsüber machten wir ca. 200km auf dem Motorrad. Ich muss eingestehen, dass ich am 3. Tag nur am fluchen war. Mein Hinterteil schmerzte unglaublich, und Quan vermittelte mir vorsichtig, dass genau dieser Tag nicht sehr interessant werden würde. Wir mussten Kilometer abspulen, mehr als an einem Durchschnittstag, um zu den interessanten Strecken zu kommen. Danach werde es super, versicherte er mir! Wurde es auch, und mein Hinterteil hatte sich bis dahin dann auch an die ungewohnte Sitzgelegenheit gewöhnt.

Die Düfte, Temperaturschwankungen und Geräusche so unmittelbar mitzuerleben, den ganzen Tag lang, macht diese Art zu Reisen zu einem ganz anderen Erlebnis. In Kambodscha, auf dem Weg nach Vietnam, hatte ich mich für den Bus als Verkehrsmittel entschieden. Das hat andere Vorteile: mal ein Nickerchen, etwas lesen, in die Ferne schweifen. Aber auf einem Motorrad durch die Landschaften zu fahren ist ein rohes und ungeschöntes Erlebnis. Man spürt jeden Stein, jede Unebenheit und muss aufmerksam sein, auch als Mitfahrer. Dafür folgt man auf Strassen, die man sonst nicht zu sehen bekommt, kann an Orten halten, an denen man mit dem Bus einfach vorbeifährt. Da ich nur als Beifahrer unterwegs war, kam mir natürlich der Gedanke, während der Fahrt zu fotorgrafieren. Ich hatte meinen Kamera-Schultergurt dabei, mit dem ich meine Fuji XE-1 und ein 18-55mm Objektiv die ganze Fahrt, ausser bei starken Regen, angeschnallt und immer griffbereit hatte.

So ist diese Schwarzweiss-Fotoserie entstanden, die den Strassenverkehr Vietnams und das Leben an den Strassen von der Strasse aus zeigen soll: Verrückte Transportvorhaben, als Beleg von einem ganz anderen Sicherheitsbewusstsein, pragmatische Strassenarbeiten und eine einzigartige und eine wundervolle Landschaft: The Vietnam Motorcycle Series

Ich danke Quan und seinem Team in Dalat für die beeindruckende Reise durch ein faszinierendes, wunderschönes und herzliches Land.